Du wünschest, daß zu Theil dir werde Licht: Zuerst thu' deinem Nächsten Böses nicht, Denk' an den Tod, und an die Nahrung nicht, Denn Beydes kommt von selbst als Loosgericht.
Thu' auf das Thor! denn der Eröffende bist Du, Zeig' mir den Weg! denn der Wegweisende bist Du, Ich lege meine Hand in keines Führers Hand, Weil sie vergänglich sind, der Ewige bist Du.
In dieser Hand das Glas, in jener den Koran, Bin ich ein frommer bald, und bald ein schlechter Mann, Ich bin im Weltendom, von Türkis hochgewölbt, Kein ganzer Giaur, kein ganzer Musulman.
Bereit bin ich den Kopfbund zu verkaufen, Den Stab für Flötentöne zu verkaufen, Den Rosenkranz der hundert Nahmen Gottes Für einen Becher Weines zu verkaufen.
Im Weinhaus wo mein Liebchen glühend steht, Verrichte ich mit ihm mein Stossgebeth. Wer sich mit Liebeswein gereinigt hat, Verrichte vor dem Liebchen sein Gebeth.
Bin ich von Lieb' und Wein berauscht, so bin ich's; Bin ich ungläublig Götzen hold, so bin ich's; Die Leute sprechen Vieles über mich: Ich bin derselbe der ich bin, so bin ich's.
Ich schaute gestern einem Töpfer zu, Der schlug auf frischen Lehm gewaltig zu. Da sprach der Lehm mit seinem eignen Wort: Schlag' mich nicht so; bin ich denn nicht was du?
Ich bin an's Rosenantlitz von Natur gebunden, Und meine Hand ist an den Becher Wein's gebunden. In jedem Theilchen wird ein Antheil mir erfunden; Doch an das Ganze sind die Theilchen all gebunden.
Im Frühling, wenn mir ein Hurisgesicht Die Kanne Weines schäumend reicht als Schenke, (So schändlich dieß auch däucht gemeinem Wicht) Bin ich ein Hund *, wenn ich ans Paradies gedenke.
Die Nacht verjaget schon des Morgens Heer, Steh auf geschwind, gib Wein der Maghen her, Schließ auf die schlummertrunkenen Narcissen, Steh auf, zu lang liegst du zu meinen Füßen.
Chiam! bist trunken du, bist du verliebt, sey froh. Hast ein Paar Tage du den Wein verehrt, sey froh! Wie lange wirst du dich noch kümmern ob ich bin, Da du nicht bist, wie wohl du bist, so lebe froh.
Ich sprach: mein Herz soll Wissenschaft verstehen, Und wenig war, was ich nicht eingesehen: Doch wenn ich's schaue reiferen Gesicht's: Das Leben ist vorbey - und und ich weiß nichts.
Ich trinke Wein, doch siehst du mich berauschet nicht, Ich strecke aus die Hand nach einem Glas; Warum ich wein anbethe? weißt du das? Damit ich nicht wie du anbethe mein Gesicht **.
Ich bin nun eingesperrt im Käfigte des Daseyns, Und wittre Duft des Nichts im Farbenlicht des Daseyns, Ich will dem Nichts gern hundert Dankesopfer bringen, Wenn es den Nahmen rettet mir vom Schimpf des Daseyns.
Da Nichts nach unserm Wunsche geht im Leben, Was nützen Müh', Gedanken und Bestreben! Ich sitz gedankenvoll darob in Wehen, Daß ich seit langem kam, und schnell muß gehen.
Wo Tulpen auf den Feldern sproßen, Trank jeder Fleck das Blut der Großen. Die Veilchen, die auf Wiesen prangen, Sind Muttermaale schöner Wangen.
Wird mir die Rose nicht, sieh Dornen da! Wird mir der Lichtstrahl nicht, sieh Gluthen da! Sind Kloster, Kutte, Scheich nicht bey der Hand, Ist Christenkirch, und Glock' und Gürtel da.
Ich trinke Wein und jeder trinket der gescheit, Verzeihung ist dafür mir bey dem Herrn bereit. Von ewig wußte Gott, ich würde trinken Wein, Drum wenn ich ihn nicht tränk', Gott müßt' unwissend seyn.
Du der dich viel geplagt mit Vier und Sieben *** Von Sieben und von Vier viel hast geschrieben, Trink Wein, ich sag dirs tausendmal und immer: Wer fort ist, der ist fort, und kommet nimmer.
Zu einem Greis, den ich sah in der Schenke, Sprach ich: der Abgeschiedenen gedenke. Er sprach: O trinke Wein auf gutes Glück! Sie gingen all', doch keiner kam zurück.
Es führt von hier kein Weg in höh'res Land, Nur ich und du, wir haben noch Verstand. Verzicht' auf was du glaubst: es ist, es war; Denn Alles ist nur Schatten, nichts ist wahr.
Du sprichst mir von Huris, vom Paradiese, Von Edens lusterfüllter goldner Wiese. Geh nimm den Pfennig hin und laß mich geh'n, Von ferne nur hört sich die Trommel schön.
In dem unendlichen Bezirk hienieden, Sind zweyerley Personen nur zufrieden, Der, so was gut und bös ist wohl erkennt, Und der, dem ganz Unwissenheit beschieden.
Die Seelen sind im Schweiß, die Herzen sind voll Blut, Zu wissen was hienieden wahr sey und was gut. Vor deiner Kenntniss, Gott! vergeht des Menschen Sinn, Es ging von Dir heraus die Welt, Du bist darin.
O du! vom Loos getrieben wie vom Schlägel Ballen, Der du in Lust des Wein's und der Huris gefallen, Du bist gefallen auf des Ewigen Geheiß; Er ist es, der es weiß, der's weiß, der's weiß, der's weiß.</i>
* Im Original: Bin ich schlechter als ein Hund. ** Wörtlich: Damit ich nicht mein Ich anbethe *** Wo du dich mit Erforschung der Geheimnisse der Natur beschäftigst, über die vier Elemente und die sieben Sphären viel gedacht und geschrieben hast.
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